Konzentrative Bewegungstherapie

Hinweis: Die Inhalte der Seite dienen nur als Informationsquelle und ersetzen keinen Arztbesuch. Verwenden Sie deshalb keine Internetquellen zur Selbstdiagnose. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Krankheiten sollten Sie die Hilfe eines Arztes oder Psychotherapeuten in Anspruch nehmen.

Allgemeine Informationen zur Konzentrativen Bewegungstherapie

Präsenzorientiertes Erleben und körperliche Wahrnehmung als Zugang zur Seele

Die Konzentrative Bewegungstherapie (KBT) ist ein körper- und erlebnisorientiertes Therapieverfahren, das die Brücke zwischen Psyche und Soma schlägt. Während Verfahren der Psychotherapie mit verbalen Mitteln (zum Beispiel über Gespräche) Zugang zur Seele erhalten und Körpertherapien über physische Übungen an den Körper herantreten, erreicht die KBT über den Körper die Seele. Sie nimmt das Erleben, Erfahren und die Wahrnehmung des eigenen Körpers, von Materialien oder von anderen Menschen zum Zweck, um die Seele zu erreichen, um sich selbst zu erfahren und um Veränderungen anzustoßen. Die Therapie basiert dabei auf der Annahme, dass sich in Verhalten und Bewegung auch Gedanken und Gefühle ausdrücken lassen. Die KBT ist stark präsenzorientiert und lässt den Patienten seinen Körper bewusst im Hier und Jetzt mit allen Sinnen wahrnehmen.

Durchführung der Konzentrativen Bewegungstherapie

Kreativität und das Erfahren des Moments im Zentrum der Sitzungen

Die Sitzungen der KBT können sowohl in der Gruppe als auch individuell stattfinden oder miteinander kombiniert werden. Wenn ein Patient zunächst nur mit seinem Therapeuten in Kontakt treten möchte, kann er die unter individueller Betreuung gelernten Erfahrungen danach auch in eine Gruppensitzung übertragen. Die einzelnen Sitzungen sind sehr frei und damit kreativ gestaltet, weil es um den aktuellen Moment des Erlebens geht. Es gibt keinen vorgeschriebenen Plan, nach dem die Sitzungen ablaufen, sondern sie richten sich nach den Patienten oder dem Thema, das die Gruppe behandeln möchte.

1. Handlungsteil: Freies Bewegen im Raum zum Ausprobieren und Erleben

Im Therapieraum liegen in jeder Sitzung verschiedene Gegenstände – wie Kugeln, Sitzkissen oder Seile – mit denen die Patienten nach Belieben arbeiten können. Sie können dabei durch den Raum gehen, die Augen schließen, mit einer anderen Person gemeinsam durch den Raum gehen, diese Interaktionen auch ohne Worte wieder lösen. Dabei kann der Therapeut bereits erste Dynamiken – wie Spannungen – in der Gruppe erkennen. Während sich die Patienten im Raum beschäftigen, können beispielsweise folgende Gedanken entstehen:

  • Was passiert, wenn ich meine Ellbogen ausfahre und mich jemandem widersetze?
  • Wie begegnet mir jemand im Raum, den ich nicht kenne?
  • Wann wird mir etwas zu viel und welche Konsequenzen hat es, wenn ich das zeige?
  • Wieviel Freiraum brauche ich und wie gehe ich mit neuem Freiraum um?
  • Wieviel Lasten lasse ich mir aufladen und wie bekomme ich sie wieder von mir weg?

Die nachfolgenden Beispiele geben dabei einen Eindruck, wie körperliche Bewegung mit Gefühlen und Gedanken zusammenhängt:

  • Der Patient bewegt sich im Raum zurück. Er reagiert mit Unsicherheit, weil er nicht hinter sich schauen kann und nicht weiß, was dort ist.
  • Der Patient läuft schnell vorwärts im Raum. Er merkt, dass er dabei kaum etwas wahrnehmen kann, weil die Dinge so schnell an ihm vorbeiziehen.
  • Der Patient geht langsam durch den Raum. Ihm fällt auf, wie viele Gegenstände er sehen kann und fängt an, über einzelne Objekte nachzudenken.
  • Der Patient lehnt sich an eine andere Person an. Er hat Angst, dass die andere Person nachgibt. Er fragt sich, ob er das nochmal machen kann und ob die Person dann immer noch da ist.

In der KBT wird versucht, über Handlungen bestimmte Gefühle oder Gedanken zu thematisieren. Diese repräsentieren meist Probleme, Fragestellungen oder Konflikte, die den Patienten seelisch belasten. So können zum Beispiel Patienten mit Burnout denken, dass sie nur etwas wert sind, wenn sie sich grenzenlos aufopfern. Während der Therapie können sie die eigenen Grenzen testen und ausprobieren, was passiert, wenn man nicht 110% leistet oder wenn man eine Aufgabe nicht erfüllen kann. In der KBT geht es daher viel um Ausprobieren, Wahrnehmung, Erfahrung, Bewegung, Handlung und Erleben.

Im Rahmen der KBT treten auch immer Situationen auf, die dem Individuum möglicherweise bekannt vorkommen. Sie werden als erfahren wahrgenommen, da sie auf Grundstrukturen und Grundbestimmtheiten basieren. Dabei handelt es sich zum Beispiel um implizites Beziehungswissen oder prägende Beziehungserfahrungen, die in der frühen Kindheit erlernt und seither im Körper gespeichert sind. Menschen, denen zum Beispiel "Finger weg" gelehrt wurde, zeigen sich in den Therapiestunden zunächst zurückhaltend und trauen sich nicht, Materialien aus dem Raum zu nutzen.

2. Nachbesprechung: Gemeinsame Deutung und Diskussion des Erlebten

Nachdem sich die Patienten im Raum bewegt (oder auch nicht bewegt haben – denn Ruhe und Innehalten können auch ausprobiert werden) haben sie anschließend Zeit, gemeinsam zu erforschen, was der Sinn einer Sache ist. Der Therapeut hält sich dabei mit seinen Anweisungen und Deutungen zurück. Die Teilnehmer tauschen sich aus, was in einer Situation mit einer einzelnen Person aber auch mit der gesamten Gruppe geschehen ist und welche Prozesse, Konflikte oder Strukturen dem Erlebten zu Grunde liegen. Auch im Einzelsetting erfolgt nach dem Erleben des eigenen Körpers das Gespräch mit dem Therapeuten.

Chancen und Vorteile der Konzentrativen Bewegungstherapie

Selbstaktualisierung, Ressourcenstärkung und Rückmeldung erfahren

Die KBT leistet einen wertvollen Beitrag, über den Körper die Seele zu erreichen. Das aktive Erleben und Erfahren hat dabei eine andere Unmittelbarkeit als das bloße Sprechen über Handlungen. Traut sich ein Mensch beispielsweise, Widerstand zu leisten, indem er sich auf den Boden setzt, hat dies einen anderen Effekt auf die Seele, als wenn er ausschließlich verbal über seinen Widerstand kommunizieren würde. Seine Handlungen zeigen, dass er sich tatsächlich traut, sich zu widersetzen. Die Therapie ist somit auch fördernd für die Ressourcenstärkung sowie das Selbstvertrauen. Sie hilft darüber hinaus bei der Positionierung in der Gruppe und bei der Selbstaktualisierung. Der Patient kann sich nämlich immer wieder Rückmeldung einholen und seine Grenzen austesten. In der Gruppe erfährt er unmittelbar, wie sein Verhalten auf sich und andere wirkt und lernt gleichzeitig, welche Gefühle und Gedanken dabei entstehen können.

Breite Anwendbarkeit und gleichzeitig individuell gestaltete Therapie

Ein weiterer Vorteil der KBT liegt vor allem in ihrer breiten Anwendbarkeit für alle Patienten mit psychischen Störungen. Insbesondere Menschen mit negativen Gedanken, wie Patienten mit Burnout oder Depressionen profitieren von der Therapie, indem sie sich selbst und ihre Handlungen ausprobieren und dabei direkt Folgen und Konsequenzen erfahren. Die Therapie spricht zwar eine große Gruppe von Patienten an, wird aber dennoch auf jeden Patienten individuell zugeschnitten bzw. modifiziert.