Psychoanalyse

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Allgemeine Informationen und Besonderheiten der Psychoanalyse

Verständnis der Psychoanalyse: Störungen als Ursache kindlicher Konflikte

Die Psychoanalyse als eines von zwei Kernverfahren der Psychodynamischen Psychotherapie ist sowohl eine Theorie als auch ein psychotherapeutisches Verfahren und geht auf Sigmund Freud zurück. Er war der Auffassung, dass der Mensch in seiner Kindheit durch Ereignisse und deren Bewältigung geprägt wurde. Unzureichend oder gar nicht verarbeitete Erlebnisse wie Konflikte oder Herausforderungen können psychische Erkrankungen auslösen. Die Psychoanalyse ist daher ein analytisches Verfahren, bei dem der Therapeut das Gesagte seines Patienten deutet, um somit Erkenntnisse über die ursächlichen Zusammenhänge der psychischen Störung zu erlangen.

Ziel der Therapie ist ein Zugang zum Unbewussten, um Störungen aufzudecken

Ziel der Psychoanalyse ist es, die unbewussten Konflikte des Patienten zu erkennen und einen Zugang zum Unbewussten zu ermöglichen. Das heißt, es geht auch um die Befreiung von innerlichen Fremdbestimmungen, die häufig Ursachen für psychische Störungen und damit verbundene Symptome sind. Dem Unbewussten nähert sich der Therapeut, indem er seinen Patienten im Liegen zum freien Assoziieren auffordert. Die Behandlung im Liegen ist auch die Besonderheit dieser Methode. Der Analysand kann in dieser Position freier von Dingen berichten, die ihn gedanklich belasten. Wichtig ist, dass der Patient offen und unzensiert spricht. Daher ist bei der Psychoanalyse das Vertrauen zwischen Therapeut und Patient von besonderer Bedeutung.

Abgrenzung zur Tiefenpsychologie:  Fokus auf allen Konflikten statt bestimmten Konflikten

Die Psychoanalyse ist neben der Tiefenpsychologie ein Verfahren, dem sich die Psychodynamische Psychotherapie bedient. Im Gegensatz zu Europa spricht man in den USA häufiger von Psychodynamischer Psychotherapie als Oberbegriff von Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie. Sowohl die Psychoanalyse als auch die Tiefenpsychologie gehen davon aus, dass psychische Störungen auf bereits erlebte Konflikte zurückgehen und setzen daher an der Kindheit des Patienten an. Die Tiefenpsychologie arbeitet mit demselben Verfahren wie die Psychoanalyse, fokussiert sich jedoch nur auf spezifische Konflikte des Patienten. Die Psychoanalyse hingegen widmet sich allen Konflikten – auch jenen, die (noch) zu keinen Störungen geführt haben. Aus diesem Grund wird die Psychoanalyse hochfrequent (bis zu fünfmal pro Woche) und im Liegen durchgeführt – die Tiefenpsychologie hingegen nur im Sitzen und üblicherweise nur ein- bis zweimal pro Woche.

Bestimmte Voraussetzungen beim Patienten als Teilnehmer erwünscht

Die Psychoanalyse eignet sich besonders bei neurotischen Störungen. Dies können beispielsweise Erkrankungen des Denkens, Fühlens, Erlebens und Handelns sein. Wichtig ist bei dieser Behandlung auch eine gewisse psychologische Begabung des Patienten. Er muss dazu in der Lage sein, sich introspektiv mit seiner Psyche auseinanderzusetzen. Denn erst durch diese Reflexion wird in der psychoanalytischen Methode das Verständnis des Unbewussten möglich. Des Weiteren muss der Patient kognitiv differenziert und offen genug sein, um sich auf unterschiedliche Methoden wie die freie Assoziation, Deutung und Traumarbeit einlassen zu können. Wichtig sind auch Kontinuität und der Wunsch des Patienten, die unbewussten Aspekte seiner Psyche besser verstehen zu wollen.

Dauer und Durchführung der Psychoanalyse

Dauer: Langfristige Therapie schafft Vertrauen

Typischerweise benötigt die Psychoanalyse mehr Zeit als andere Behandlungsformen. Eine psychoanalytische Sitzung dauert daher in der Regel 50 Minuten und findet bis zu fünfmal pro Woche statt. Da Patient und Therapeut in einem engen Vertrauensverhältnis zueinander stehen müssen, kann die Behandlung insgesamt bis zu mehrere hundert Sitzungen umfassen und sich auch über mehrere Jahre erstrecken. Im Unterschied dazu sind Therapieverfahren der Tiefenpsychologie für einen kürzeren Zeitraum angelegt, obwohl sie aus der Psychoanalyse abgeleitet sind.

Im Liegen kann der Patient während der Sitzung freier von seinen Gedanken erzählen

Das typische Merkmal der Psychoanalyse ist, dass der Patient während der Behandlung bequem auf einem Sofa oder einer Liege liegt. Damit unterscheidet sich die Psychoanalyse von den tiefenpsychologischen Therapieverfahren, bei dem Patient und Therapeut face-to-face gegenübersitzen. Bei der Psychoanalyse wird dem Patienten zu Beginn eine wichtige Regel mitgeteilt: Er soll alles erzählen, was ihm einfällt, auch wenn es ihm unbedeutend erscheinen oder das Thema vielleicht mit Scham behaftet sein mag. Gerade das freie Reden fällt vielen Menschen schwer - besonders wenn es um eine psychische Erkrankung geht. Sie schämen sich, selbst im Rahmen einer Psychotherapie von intimen Empfindungen zu berichten. Daher ist bei der Psychoanalyse das Vertrauen zwischen Therapeut und Patient besonders wichtig. Während einer psychoanalytischen Behandlung liegt der Patient, sodass der Therapeut neben oder hinter ihm sitzt. Die meisten Menschen können im Rahmen dieses Verfahrens freier sprechen, wenn sie den Therapeuten nicht direkt anschauen müssen. Der Therapeut nimmt bei dieser psychoanalytischen Methode eine eher passive Rolle ein und lässt hauptsächlich den Patienten erzählen.

Chancen und Vorteile der Psychoanalyse

Intensive Zusammenarbeit und hilfreiche Erkenntnisse als Vorteile

Das Verfahren der psychoanalytischen Behandlung ist nachhaltig, da es der Psychoanalyse gelingt, die Fähigkeiten der Introspektion und Reflexion sowie auch Emotionalität und Bindungsfähigkeit beim Patienten deutlich zu verbessern. Darüber hinaus bietet die Psychoanalyse den Vorteil, dass Patient und Therapeut intensiv und über einen sehr langen Zeitraum hinweg zusammenkommen. Dabei können die grundsätzlich sehr guten und besonders nachhaltigen Ergebnisse einer Psychoanalyse im Detail und im subjektiven Erleben sehr unterschiedlich ausfallen. Die durch die Psychoanalyse gewonnenen Erkenntnisse und Einsichten sind für viele Menschen sehr hilfreich.