Bindungs-/ Gefühlstherapie

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Zwei Verfahren der Diagnostik: Ergründen, wo die Ursachen liegen

Die Bindungs- und Gefühlstherapie sind keine klassischen Therapien, die Symptome behandeln, sondern ergründen, wo die Ursachen für körperliche und seelische Symptome liegen – zum Beispiel in Gefühlen oder Bindungen. Die Therapien fokussieren sich daher beide auf die Diagnostik und gehen der Frage nach, warum ein Mensch zu dem geworden ist, der er heute ist. Sie basieren auf der Tatsache, dass Emotionen und Bindung nicht voneinander trennbar sind und deshalb gemeinsam betrachtet werden müssen. Lediglich die Perspektive, wie sich dieser Fragestellung genähert wird, unterscheidet sich bei beiden Therapieverfahren: Die Bindungstherapie ergründet, welcher Bindungstyp ein Mensch ist und wie er dazu geworden ist, zum Beispiel der ängstlich vermeidende Bindungstyp. Die Gefühlstherapie hingegen typisiert nach Emotionen und untersucht, wie jemand beispielsweise zu einem Angsttyp werden konnte.

Bindungstheorie als Basis der Bindungstherapie: Biologisches Bedürfnis nach enger Bindung

Beide Verfahren gehen unter anderem auf die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, die Psychoanalyse, auf systemisches Denken sowie auf die Entwicklungspsychologie zurück und betrachten den Menschen im Ganzen. Dazu zählen auch seine Erfahrungen, die er als Kind gemacht hat. Die Bindungstherapie beispielsweise geht auf die Bindungstheorie zurück, wonach der Mensch ein evolutionär bedingtes Bedürfnis nach Nähe, Wärme, Geborgenheit, Schutz und emotionalen Beziehungen zu einer Bezugsperson hat. Die kindliche Bezugsperson ist dabei jene Person, zu der das Kind in seinen ersten Lebensmonaten intensiven Kontakt hat. Die Bindungstheorie beschäftigt sich nicht nur mit dem Aufbau, sondern gleichzeitig auch mit der Veränderung von Beziehungen im Laufe des Lebens. Kann das Kind keine Beziehung aufbauen oder behindern Trauma wie Tod, Trennungen, Verlassenwerden oder auch Missbrauch seine Bindungen, kann es im späteren Leben zu Problemen kommen. Diese können sich zum Beispiel in Aggressivität gegenüber dem Partner, Klammern an einer Person oder aber auch in sozialer Isolation oder Egozentrismus äußern.

Bindungserfahrungen in der Kindheit wirken sich auf das ganze Leben aus

Inwiefern Bindungen, Gefühle und Erkrankungen miteinander zusammenhängen, zeigt das folgende Beispiel: Menschen, die in früher Kindheit keine emotionalen Bindungen aufbauen konnten, sind meist stark verunsichert im Aufbau neuer Beziehungen oder im Umgang mit anderen Personen. Ihre Unsicherheit führt dazu, dass sie stressbedingten Belastungen kaum standhalten, wodurch sich wiederum Störungen und Erkrankungen entwickeln können. Ein anderes Beispiel macht deutlich: Negative Erfahrungen können sich nicht nur auf den Bindungsaufbau auswirken, sondern auch auf die Partnerschaft. Der Partner nimmt dabei etwa die gleiche Rolle ein wie die Bezugsperson eines Kindes. An ihn werden eventuell die gleichen Erwartungen gestellt, die ein Kind gegenüber seiner Bezugsperson hatte. Konnte bereits dort keine sichere Bindung aufgebaut werden, können negative Erfahrungen sowie Erwartungen auch unbewusst auf Partnerschaften übertragen werden. So kann ein Mensch beispielsweise verletzt werden, wenn seine aus der Kindheit resultierenden Erwartungen an den Partner nicht erfüllt werden.

Bindungstherapie für Menschen mit Problemen im Aufbau und Umgang mit Bindungen

Die Bindungstherapie kommt bei allen Menschen zur Anwendung, die keine sichere Bindung zu anderen Menschen aufbauen konnten und können sowie bei Menschen, die Angst haben, Beziehungen einzugehen oder gar Probleme im Umgang mit Beziehungen haben. Unverarbeitete, negative Beziehungserfahrungen können dabei unbewusst das Leben beeinflussen und sogar an die eigenen Kinder weitergegeben werden. Die Bindungstherapie hängt daher auch mit der Traumatherapie zusammen, da Trauma eine Ursache dafür sein können, dass die Entwicklung eines Menschen problematisch verlief. Bindungserleben wird auch im Rahmen einer Paar- oder Familientherapie vollzogen, da misslingende Bindungen sowohl im Kontext partnerschaftlicher als auch familiärer Beziehungen betrachtet werden können.