Gruppentherapie

Hinweis: Die Inhalte der Seite dienen nur als Informationsquelle und ersetzen keinen Arztbesuch. Verwenden Sie deshalb keine Internetquellen zur Selbstdiagnose. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Krankheiten sollten Sie die Hilfe eines Arztes oder Psychotherapeuten in Anspruch nehmen.

Allgemeine Informationen und Besonderheiten der Gruppentherapie

Besonderheit: Patienten genießen in der Gruppentherapie einen geschützten Raum für ihre Bedürfnisse

Die stationäre Gruppentherapie, auch Gruppenpsychotherapie genannt, ist ein psychotherapeutisches Setting, an dem mehrere Personen teilnehmen. Sie dient als Setting zum Beispiel für die Systemische Therapie. Die Besonderheit der Gruppentherapie und gleichzeitig ihr heilsamer Faktor ist die soziale Interaktion der Gruppe. Die Gruppentherapie stellt einen geschützten Ort dar, an dem die Teilnehmer miteinander in einer Art "Stuhlkreis" über ihre meist ähnlichen psychischen Probleme sprechen. Menschen haben hier die Möglichkeit, mehr über ihre psychischen Erkrankungen zu lernen, indem sie ihre Gefühle den anderen Teilnehmern erzählen oder über ihre Gedanken sprechen. Eine Sitzung umfasst circa drei bis acht Patienten und wird von bis zu zwei Therapeuten begleitet.

Interaktion und Reinszenierung sind wichtige Bestandteile der Gruppentherapie

Der Gruppentherapie liegt die Theorie zugrunde, dass sich unbewusste Konflikte (insbesondere in der zwischenmenschlichen Interaktion) reinszenieren, da Patienten zu anderen Menschen so in Beziehung treten, wie sie es in ihren früheren Beziehungen erfahren haben. Durch das Miteinander in der Gruppe entstehen Interaktionen, die denen außerhalb der Gruppe (also "im richtigen Leben") ähneln. Die Gruppenpsychotherapie dient somit dazu, dem Menschen eine korrigierende Beziehungserfahrung zu ermöglichen. Durch das geschützte Setting der Gruppe, die Gruppenregeln sowie durch die therapeutische Begleitung kann in der Gruppe leichter über Interaktionen kommuniziert werden. Patienten können somit Missverständnisse aufklären, das interaktionelle Miteinander auf einer Meta-Ebene betrachten sowie Feedback geben und annehmen.

Voraussetzungen: Fast alle Patienten können an der Gruppentherapie teilnehmen

Die Psychotherapie in der Gruppe ist grundsätzlich sowohl für alle Patienten als auch alle neurotischen Störungen geeignet, da vor allem die unterstützende Komponente der Mitpatienten eine entscheidende Ressource im Heilungsprozess darstellt. Die Art der Therapie wird dabei den Bedürfnissen der Teilnehmer individuell angepasst. So kann die Gruppenpsychotherapie störungsspezifisch oder störungsübergreifend angeboten werden. Darüber hinaus gibt es beispielsweise psychoedukative, lösungsorientierte oder systemische Gruppen. Wichtig bei diesem Setting der Psychotherapie ist jedoch die Fähigkeit zur Reflexion. Für Menschen mit Psychosen ist dagegen eine Einzeltherapie besser geeignet. Auch wer Angst hat, vor einer Gruppe über seine Gefühle zu sprechen, sollte eine andere Therapiemöglichkeit in Betracht ziehen.

Dauer und Durchführung der Gruppentherapie

Regelmäßigkeit und Kontinuität sind wichtig bei der Dauer der Therapie

Da die Gruppentherapie kein Verfahren, sondern ein Setting ist, kann nicht verallgemeinert werden, wie lange eine Sitzung dauert. Dies richtet sich nach dem Verfahren, welches sich dem Setting der Gruppe bedient. So findet beispielsweise eine Familientherapie in einem größeren Zeitabstand statt und benötigt weniger Sitzungen als eine Gruppentherapie, die mit tiefenpsychologischen Verfahren arbeitet. Die Gruppenpsychotherapie kann zum Beispiel auch drei- bis viermal pro Woche stationär als "offene Gruppe" angeboten werden und dauert in der Regel 100 Minuten. Eine ambulante Gruppentherapie findet eher ein- bis zweimal pro Woche in einer ebenfalls geschützten Umgebung statt. Über welchen Zeitraum dieses Setting der Psychotherapie notwendig ist, kann nur schwer verallgemeinert werden, da sie sowohl über Wochen als auch Monate oder Jahre fortgeführt werden kann.

Setting: Offener Gesprächskreis in geschütztem Raum

Der Ablauf der Gruppenpsychotherapie ist nicht zwingend festgelegt. Er richtet sich zudem danach, welches psychotherapeutische Verfahren angewendet wird. Welches Thema in einer Sitzung behandelt wird, kann in einigen Fällen sogar von den Patienten selbst bestimmt werden. Die Teilnehmer sitzen während der Einheit in einer Art "Stuhlkreis" zusammen und werden gebeten, ihre eigenen Gefühle, Gedanken oder Probleme mitzuteilen. Der Therapeut deutet anschließend das Gesagte. Auch bekommen Patienten Feedback von ihren Gruppenmitgliedern. Der Gruppentherapie liegen unterschiedliche Konzepte wie Psychoanalyse, Verhaltenstherapie, Familien- und Paartherapie, systemische Therapie, Psychodrama oder Gestalttherapie zugrunde.

Bei der Durchführung müssen Regeln beachtet werden

In der Gruppentherapie gibt es festgelegte Regeln wie Diskretion oder Vertraulichkeit, an die sich alle Teilnehmer zu halten haben. Was in der Gruppe besprochen wird, bleibt in der Gruppe, da Menschen ihre psychischen Probleme nur ungern preisgeben. Des Weiteren ist eine wertschätzende Haltung innerhalb der Gruppe sehr wichtig. Jeder Patient sollte daher in Ruhe ausreden dürfen. Feedback wird von den Mitpatienten in der Ich-Form gegeben und sollte wertschätzend statt wertend formuliert werden.

Chancen und Vorteile der Gruppentherapie

Soziale Interaktion und Erfahrungen als Chancen

Die Erfolgsaussichten dieses Settings der Psychotherapie sind sehr gut. Sie hängen aber auch immer mit dem angewandten Verfahren und dessen Erfolgsaussichten zusammen. Dennoch können für das Merkmal der Gruppe bestimmte Vorteile und Chancen festgehalten werden. Die Gruppentherapie ist ein effizientes Behandlungssetting, das insbesondere die Interaktion mit anderen Menschen als großen Mehrwert nutzt. Die soziale Gruppendynamik verhindert in den meisten Fällen, dass Stille entsteht, falls Menschen ihre Gefühle nicht äußern möchten. Die Teilnehmer können sich in der Gruppenpsychotherapie somit gegenseitig unterstützen und Kraft geben. Der geschützte Raum kommt dabei vor allem neuen Teilnehmern entgegen. Dieses Setting der Psychotherapie ist hilfreich, die Ich-Stabilisierung zu verbessern sowie die Selbstreflexion zu trainieren. Es trägt ebenfalls dazu bei, Rückfälle zu verhindern und die Genesung der Patienten zu fördern. Darüber hinaus können Erfahrungen aus der Gruppentherapie auch für die Einzeltherapie genutzt werden, sodass der Erkenntnisprozess eines Patienten beschleunigt werden kann.