Familientherapie

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Allgemeine Informationen und Besonderheiten der Familientherapie

Betrachtung der gesamten Familie im Fokus

Die Familientherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, bei dem die ganze Familie als soziales System und ihre einzelnen Mitglieder im Mittelpunkt stehen. Sie basiert auf der Systemischen Therapie, die das psychische Symptom nicht allein, sondern im sozialen Kontext betrachtet. Die Familientherapie bedient sich dabei vor allem den Verfahren der Verhaltenstherapie und der Psychoanalyse. In den Sitzungen geht es darum, die Beziehungen der Familienmitglieder positiv zu verändern, Konflikte zu lösen und neue Sichtweisen für das Zusammenleben zu erlangen. Im Austausch mit dem Familientherapeut werden Gefühle und Bedürfnisse mitgeteilt, eventuelle Missverständnisse aufgedeckt und unterschiedliche Sichtweisen angehört. In der Familientherapie spielen daher Verständnis, Kommunikation und Empathie eine zentrale Rolle.

Psychische Probleme können Verursacher oder Folge einer ungesunden Familie sein

Eine therapeutische Behandlung eignet sich bei psychischen Problemen eines Familienmitglieds oder mehrerer Personen der Familie, die direkt mit der Familie zusammenhängen. Beispielsweise, wenn ein Familienmitglied unter Depressionen leidet, belastet die psychische Störung auch die übrigen Familienmitglieder und den familiären Alltag. Psychische Erkrankungen können aber nicht nur der Auslöser eines ungesunden Familienlebens sein, sondern auch die Folge. Ein erkranktes familiäres System kann zur seelischen Belastung einzelner Mitglieder werden. Das System gerät ins Ungleichgewicht, wenn Beziehungen innerhalb der Familie gestört werden. Verursacher dafür können einschneidende Lebensereignisse wie Trennungen oder der Tod eines Familienmitglieds sein. Häufig wird die Familientherapie auch bei Kindern und Jugendlichen angewandt, weil deren Entwicklung stark durch den familiären Kontext geprägt wird. Ziel ist es, den Kontext Familie zu therapieren, um gleichzeitig auch die psychischen Probleme mit zu behandeln. 

Teilnahmevoraussetzungen: Motivation und Bereitschaft für Veränderungen

Für die Familientherapie gibt es in der Regel keine Voraussetzungen zur Teilnahme. Wichtig ist nur, dass jedes Familienmitglied auch die Bereitschaft zeigt, die Therapie mitzumachen. Motivationslose Mitglieder können die Dynamik der Sitzungen hemmen und den Verlauf der Behandlung verzögern oder gar verschlechtern. Bei den Sitzungen muss daher nicht zwingend jedes Familienmitglied anwesend sein. Auch die Fähigkeit zur Selbstreflektion sollten die Teilnehmer in gewissem Maße mitbringen und die Bereitschaft, verfestigte Muster aufzulockern. 

Dauer und Durchführung der Familientherapie

Dauer der Familientherapie meist nur kurz

Die familientherapeutische Beratung benötigt in der Regel bis zu zehn Sitzungen und ist daher ein eher kurzes Verfahren der Psychotherapie. Die Sitzungen finden in eher größeren Abständen statt, damit die Familie die gelernten Verhaltensweisen und Lösungsvorschläge in Ruhe im gewohnten Umfeld des Zuhauses umsetzen und üben kann. Daher kommt der Hilfe zur Selbsthilfe in der Familientherapie auch eine wichtige Rolle zu.

Vertrauen und Kommunikation als Basis für die Durchführung der Therapie

In der Familientherapie gibt es bestimmte Werte, die für eine erfolgreiche Behandlung gelebt werden müssen. Das gilt nicht nur für die Teilnehmer untereinander, sondern auch für die Beziehung der Familie zum Familientherapeut. Die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit ist Vertrauen. Das System Familie muss dem Therapeuten vertrauensvoll und offen begegnen, damit er die Familie als Ganzes, ihre einzelnen Mitglieder, deren Beziehungen zueinander sowie ihre Probleme ganzheitlich betrachten kann. Des Weiteren spielt Kommunikation eine sehr wichtige Rolle. In der Therapie wird gelernt, über Kommunikation bestimmte Konflikte aufzudecken, gemeinsam zu analysieren und anzugehen. Beispielsweise entstehen viele Probleme aufgrund mangelnder Kommunikation der Familienmitglieder untereinander, indem Bedürfnisse oder Ängste nicht mitgeteilt werden und andere Mitglieder daher nicht entsprechend reagieren können. 

Durchführung erfolgt meist als Kombination verschiedener Methoden

In den Sitzungen versucht der Therapeut zunächst, die Situation der Familie zu erfassen. Indem jedes Familienmitglied seine Gefühle und Bedürfnisse erzählt, bekommt er einen Eindruck von der Gesamtsituation. Je nachdem, welche Ziele mit der Therapie verfolgt werden, bedient sich der Familientherapeut verschiedener Methoden für die Durchführung der Sitzungen. Sie zielen darauf ab, Dynamik und damit neue Sichtweisen sowie Veränderungen in das System Familie zu bringen, indem starre Verhaltensmuster und Sichtweisen aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Mögliche Methoden der Familientherapie sind zum Beispiel das zirkuläre Fragen, bei dem Familienmitglieder die Situation aus der Perspektive eines anderen Mitglieds betrachten sollen. Mithilfe der Familienskulptur werden die Therapieteilnehmer im Raum positioniert und sollen auf diese Art und Weise ihre Beziehungen zueinander symbolisch darstellen. Ziel der familientherapeutischen Sitzungen ist die Verbesserung der Kommunikation und damit auch die positive Veränderung der Beziehungen innerhalb der Familie. 

Chancen und Vorteile der Familientherapie

Zusammenhalt der Familie und Therapeut als Außenstehender bestimmen den Erfolg der Therapie

Die Erfolgschancen der Familientherapie lassen sich nur bedingt verallgemeinern. Insbesondere bei Systemen, die über Jahre erkrankt sind, benötigen Veränderungen viel Zeit. Anderen Familien jedoch hilft die Therapie, ihre Beziehungen zu verbessern und das Familienleben positiv zu verändern. Arbeitet die Familie als Ganzes zusammen, können Veränderungen schon in kurzer Zeit erreicht werden. Die systemische Sichtweise bringt den Vorteil mit sich, dass Probleme im Kontext betrachtet werden und nicht eine einzelne Person für Konflikte verantwortlich gemacht wird. Des Weiteren geht ein positiver Einfluss von der Rolle des Therapeuten als neutraler Vermittler und außenstehender Person aus, welcher der Familie neue Sichtweisen aufzeigen kann. Durch gezielte Fragen kann er darüber hinaus genau die Probleme herausfinden und Gespräche in bestimmte Richtungen lenken.