Katathymes Bilderleben

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Allgemeine Informationen und Besonderheiten des Katathymen Bilderlebens

Bewusste Tagträume anleiten und verbalisieren als Methode des Katathymen Bilderlebens

Das Katathyme Bilderleben – auch als Katathym Imaginative Psychotherapie (KIP) bezeichnet – ist ein Therapieverfahren, dass auf der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie beruht und auf Hanscarl Leuner zurückgeht. Dem Ansatz liegt die Annahme zugrunde, dass alltägliche Vorstellungen unbewusste Konflikte und Emotionen im Inneren eines Menschen widerspiegeln. In der Therapie werden daher Tagträume beim Patienten angeleitet, die unbewusste Bilder an die Oberfläche bringen sollen. Ein Gespräch mit dem Therapeuten dient dazu, das Gesehene zu verarbeiten und zu entschlüsseln, damit innere Einstellungen verändert werden können.

Geeignet zur Behandlung von Trauma, aber auch zur Prävention von Stress

Das Katathyme Bilderleben eignet sich vor allem zur Behandlung neurotischer Störungen sowie anderen psychogenen Erkrankungen wie Posttraumatische Belastungsstörungen. So kommt dieses tiefenpsychologisch orientierte Verfahren häufig auch in der Traumatherapie zum Einsatz. Der Patient wird hier zum Beispiel dazu angeleitet, sich das Bild des inneren Kindes vorzustellen, das an einem wohlbehüteten, unbelasteten Ort verweilt. Auch bei der Prävention von Stress kann das Katathyme Bilderleben helfen. Des Weiteren ist die KIP bei der Bewältigung von akuten Krisen ein geeignetes Verfahren.

Dauer und Durchführung des Katathymen Bilderlebens

Stufenweiser Aufbau bestimmt die Durchführung des Katathymen Bilderlebens

Das Katathyme Bilderleben kann als Methode sowohl in Einzelsitzungen als auch im Rahmen einer Familien-, Paar- oder Gruppentherapie angewandt werden. In der Sitzung leitet der Therapeut den Patienten dazu an, bewusst Tagträume hervorzurufen, die immer unter einem festgelegten Thema oder Fokus stehen. Die Methode folgt dabei einem stufenweisen Aufbau, der aus Grund-, Mittel- sowie Oberstufe besteht. Auf jeder Stufe gibt es eigene Motive mit Bedeutungen.

Grundstufe als Einstieg in die aktuelle Lebenssituation

Auf der Grundstufe geht es um aktuelle Themen im Leben des Patienten. Die Standardmotive sind hier beispielsweise ein Berg, der für Ausblick und Weitsicht steht oder eine Wiese, die Leben und Fruchtbarkeit symbolisiert. Der Therapeut kann dabei folgende Fragen stellen:

  • Was nehmen Sie um sich herum wahr?
  • Welche Geräusche hören Sie?
  • Was sehen Sie und wie sehen die Gegenstände um Sie herum aus?
  • Welche Gefühle entstehen in Ihnen jetzt in diesem Moment?
  • Zu welchen Handlungen regt die Situation Sie an?

Mittel- und Oberstufe zum Erleben von Neuem und Auseinandersetzung mit Altem

Die Mittelstufe thematisiert weitere Motive, mit denen vor allem neue Körper- und Handlungsspielräume entdeckt werden. Der Patient soll sich hier beispielsweise seinen Partner bildlich vor Augen führen, damit Beziehungsaspekte deutlich werden. Auf der Oberstufe geht es um tiefergehende Symbole, die bis in die Kindheit zurückgehen können. Dazu zählen auch unbewusste Konflikte, verdrängte Erinnerungen oder traumatische Erfahrungen. Ein Standardmotiv, das diese Themen symbolisiert, ist auf der Oberstufe zum Beispiel das Bild einer Höhle.

Gespräch zur Deutung und Verarbeitung der Bilder notwendig

Die Bilder, die während des Bilderlebens entstehen, werden im anschließenden Gespräch mit dem Therapeuten gedeutet und aufgedeckt. Dabei werden vor allem belastende Erfahrungen verarbeitet. Teilweise gelingt es auch dem Patienten allein, die Symbolik seiner erlebten Bilder zu entschlüsseln. Damit die Therapie aber wirksam sein kann und eine innere Einstellungsänderung hervorgerufen wird, ist das therapeutische Gespräch aber erforderlich. In der Auseinandersetzung mit unbewussten Themen können beim Patienten spontane Einsichten entstehen, die ihm wiederum neue Verhaltensmöglichkeiten und Handlungsspielräume aufzeigen.

Chancen und Vorteile des Katathymen Bilderlebens

Katathymes Bilderleben eröffnet vielseitige Chancen für die Persönlichkeit

Das Katathyme Bilderleben ist eine kreative Möglichkeit, Zugang zum Unbewussten zu erlangen, um somit belastende Erfahrungen, Gefühle oder Erinnerungen zu verarbeiten. Die Anleitung zum Tagträumen fördert die kreativen Vorstellungen des Patienten und damit auch seine Leistungsfähigkeit. In der Auseinandersetzung mit bislang verdrängten Impulsen kann der Patient zudem eine Ich-Stärkung erfahren. Das Nachgespräch hilft, neue Ressourcen zu wecken und eröffnet dabei beispielsweise auch neue Handlungs- oder Verhaltensmöglichkeiten.