Geräuschempfindlichkeit

Hinweis: Bei allen Symptomen ist eine zeitnahe ärztliche Abklärung unabdingbar, da diesen sehr ernste Erkrankungen zugrunde liegen können. Wir empfehlen deshalb, sich an ihren behandelnden Facharzt oder Hausarzt  oder an die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu wenden.

Beschreibung von Geräuschempfindlichkeit

Was versteht man unter Geräuschempfindlichkeit? 

Unter einer Geräuschempfindlichkeit, auch Hyperakusis genannt, versteht man eine Störung, die sich durch eine Übersensibilität für gewisse Frequenzbereiche von Umgebungsgeräuschen zeigt. Diese werden normalerweise nicht als unangenehm laut empfunden. Leiden Betroffene jedoch unter einer Geräuschempfindlichkeit, bewerten sie bereits leise oder mäßige Geräusche als unangenehm. Folgen daraus können Symptome wie Herzrasen, innere Unruhe oder starke Angst sein.  Begleitet wird eine Hyperakusis häufig auch von einem Tinnitus.

Wie äußert sich Geräuschempfindlichkeit? 

Eine Hyperakusis kann sich in Aggressionen, einer überhöhten Reizbarkeit oder auch in gestressten Nerven äußern. Liegt eine akute Lärmempfindlichkeit vor, sind die Geräusche derart vordringlich, dass sie vom Betroffenen nicht ausgeblendet werden können und er sich hiervon überrollt fühlt. Die hohe Geräuschsensitivität hat enorme Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen, da sie entsprechende Geräusche meiden und sich sozial isolieren. Patienten gehen Geräuschen aus dem Weg oder halten sich die Ohren zu. Sie versuchen, alltäglichen Geräuschen wie Stimmen von Menschen, das Bellen von Hunden oder Straßengeräusche zu meiden. Häufig wird die Geräuschempfindlichkeit auch von Angst, Schmerzen oder Panikzuständen begleitet.

Entstehung von Geräuschempfindlichkeit 

Was sind die Ursachen für eine Geräuschempfindlichkeit? 

Direkte Ursache
Die direkte Ursache einer Geräuschempflindlichkeit liegt in der Beeinträchtigung des Innenohrs durch eine Hyperaktivität der äußeren Haarzellen. Hier findet auch das Hörempfinden, welches für die Unterteilung von leisen zu lauten Schallquellen verantwortlich ist, statt. Im Innenohr sind für die Abgrenzung der Schallquellen sowohl die inneren als auch die äußeren Haarzellen sowie der Nervus stapedius beteiligt. Kommt es zu einer Störung dieser, kann es zu einer entsprechenden Lärmempfindlichkeit kommen, so dass das Ohr nur noch partiell gut hören und auch filtern kann. 

Begleit- oder Suberkrankung
Die Geräuschempfindlichkeit kann mit banalen Erkrankungen einhergehen. Unter normalen Umständen klingt diese jedoch auch wieder ab. Hält die Geräuschempfindlichkeit jedoch an, können organische und physische Erkrankungen hierfür ursächlich sein. Gewisse organische Erkrankungen wie unter anderem ein vermindertes Hörvermögen, ein Hörsturz, eine Schädigung, Verletzung oder ein Ausfall des großen Gesichtsnervs, ein Vorzeichen von Migräne, bestimmte Epilepsieformen,  ein Schädel-Hirn-Trauma oder auch Wechselwirkungen zu bestimmten Medikamenten können Ursachen eines Hyperakusis sein. 

Seelische Krankheiten
Ebenfalls sind seelische Erkrankungen ein häufiger Grund für das Ausbrechen einer Hyperakusis. Typische Erkrankungen, welche von einer Hyperakusis begleitet werden, sind Depressionen, Panikerkrankungen, unterschiedliche Formen der seelischen Erschöpfung, posttraumatische Belastungsstörungen oder Manien. Die Krankheiten müssen nicht zwangsläufig parallel auftreten. So kann ein zeitlich versetzter Hyperakusis zur eigentlichen Haupterkrankung auftreten. 

Hyperakusik nach Knalltrauma
Laute Lärmereignisse wie eine Explosion, ein Feuerwerk oder ein Schuss können ein Knalltrauma auslösen. Nach einem solchen Knalltrauma kann dies zu einer Hyperakusis führen.

Medikamente
Häufig kann Hyperakusis auch durch bestimmte Medikamentenwirkstoffe ausgelöst.

Gibt es Sonderformen der Geräuschempfindlichkeit?

Von der allgemeinen Hyperakusis ist die Misophonie abzugrenzen. Besonders hieran ist, dass die Überempfindlichkeit nicht von der Lautstärke der Töne oder der Geräusche abhängt, sondern von ihrer Qualität. So können bereits normale Alltagsgeräusche für Betroffene unerträglich sein. Studien führen die Misophonie auf eine Störung von emotionalen Kontrollmechanismen im Gehirn zurück. Die Misophonie ist bislang keine anerkannte Erkrankung, sondern wird meist als eine Phobie oder eine Posttraumatische Belastungsstörung eingeordnet. Anders als bei einer Phobie oder einer Belastungsstörung reagieren Betroffene mit einer Misophonie nicht mit Angst, sondern mit Aggressivität auf Geräusche. Da die Ursache hier psychischer Natur ist, kann mittels einer Psychotherapie die Symptomatik reduziert werden.  

Eine weitere Form von Geräuschempfindlichkeit ist die Phonophobie. Hierbei empfinden Betroffene die Geräusche als schmerzhaft und verbinden diese mit Angst. Die Bedrohlichkeit der jeweiligen Geräusche entsteht durch wiederholte Ereignisse, welche mit Angst, Scham und Peinlichkeit verbunden waren. Grund für die Geräuschempfindlichkeit ist eine falsche Geräuschinterpretation bis hin zu einer fehlerhaften Steuerung der eingehenden Signale im Hörsystem. Eine Behandlung der Phonophobie ist primär psychotherapeutisch. 

Die Hyperakusis ist keinesfalls mit einer Hypakusis, welche auch als Schwerhörigkeit bekannt ist, zu verwechseln. Sie kann zwar oft als Begleiterkrankung der Hyperakusis auftreten, ist aber dennoch ein eigenständiges Krankheitsbild. Eine Hypakusis lässt sich meist gut behandeln, da sie häufig mit einer Verstopfung des Hörgangs verbunden ist. Liegt eine Hypakusis aufgrund einer Schallempfindungsschwerhörigkeit vor, bei der die Haarzellen im Innenohr beschädigt sind, kann dies nicht geheilt werden. Den Symptomen kann allerdings mithilfe eines Hörgeräts entgegengewirkt werden.

Folgen von Geräuschempfindlichkeit

Welche Folgen hat Geräuschempfindlichkeit? 

Die Geräuschüberempfindlichkeit hat enorme Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen. Da unterbewusst versucht wird entsprechende Geräusche zu meiden, hat dies zur Folge, dass sich Betroffene sozial ausgrenzen und isolieren. Auch das Kommunikationsverhalten mit ihrer Umwelt wird belastet, da Betroffene mit starken Symptomen für andere Menschen unnatürlich reagieren.

Behandlung von Geräuschempfindlichkeit

Was kann man bei Geräuschempfindlichkeit tun?

Eine Möglichkeit der Therapie ist das neurootologische Counseling. Hierbei wird eine ausführliche, mehrwöchige Beratung des Patienten durch einen Nerven- und HNO-Arzt durchgeführt, um die Ursachen und Zusammenhänge der Geräuschempfindlichkeit festzustellen. Eine weitere Form der Therapie ist der Einsatz von Markern oder Noisern. Hierbei handelt es sich um kleine Geräte, welche klassischen Hörgeräten gleichen. Das Gerät stellt eine Geräuschkulisse her, welche zunächst als angenehm empfunden wird und allmählich lauter wird. Diese Technik soll dabei helfen, dass das Gehirn unwichtige Geräusche filtern und ausblenden kann. Grundsätzlich sollten Betroffene für eine beständig leise Geräuschkulisse sorgen.