Gefühllosigkeit

Hinweis: Bei allen Symptomen ist eine zeitnahe ärztliche Abklärung unabdingbar, da diesen sehr ernste Erkrankungen zugrunde liegen können. Wir empfehlen deshalb, sich an ihren behandelnden Facharzt oder Hausarzt  oder an die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu wenden.

Beschreibung von Gefühllosigkeit

Was ist Gefühllosigkeit? Wie äußert sich Gefühllosigkeit?

Gefühllosigkeit ist ein vom Patienten oft als sehr quälend empfundenes Symptom, welches vor allem bei Depressionen auftritt. Es wird auch als Gefühl der Gefühllosigkeit oder Gefühl anhaltender innerer Leere bezeichnet. Betroffene haben keine Gefühle mehr, sie sind wie versteinert oder gar innerlich tot und können nicht mal gegenüber engsten Familienmitgliedern oder dem Partner Gefühle zeigen. Sie verspüren weder Freude, Lust, Mut oder Hoffnung. Auch negative Gefühle wie Wut, Hass oder gar Trauer können nicht mehr empfunden werden. Daher ist es eher eine fälschliche Auffassung, dass Menschen mit Depression immer nur traurig sind, da im Zustand der Gefühllosigkeit selbst Trauer nicht mehr empfunden werden kann. Mit dem Gefühl von Gefühllosigkeit gehen häufig auch Interesselosigkeit, Sinnlosigkeit und Antriebslosigkeit einher, woraus sozialer Rückzug und Einsamkeit resultieren können. 

Welche Formen von Gefühllosigkeit gibt es?

Alexithymie (auch Gefühlsblindheit oder Gefühlskälte) bedeutet, dass Menschen Emotionen nicht lesen, differenzieren oder verarbeiten können und dadurch gefühlskalt wirken oder sich für sie alles gleich anfühlt. Bei einer leichten Form von Alexithymie fällt es den Betroffenen schwer, mit ihren und anderen Gefühlen umzugehen. Ist die Alexithymie mittelstark ausgeprägt, können Betroffene die Gefühle nicht entschlüsseln, wodurch es häufig zu Problemen in der Kommunikation oder beim Aufbau sozialer Beziehungen kommt. Eine schwere Alexithymie bedeutet dagegen, dass Betroffene sich aus ihrem sozialen Umfeld komplett isolieren, da sie andere Menschen und deren Gefühle nicht verstehen können. Ihnen fehlt zum Beispiel der Sinn des Lebens und nicht selten erkranken sie an einer Depression. 

Mit Anhedonie ist gemeint, dass ein Mensch positive Emotionen nur kaum bis gar nicht mehr spüren kann. Dazu zählen beispielsweise Freude und Vergnügen aber auch (sexuelle) Lust oder Befriedigung.  

Bei welchen Erkrankungen tritt Gefühllosigkeit auf?

Gefühllosigkeit tritt häufig als Symptom einer Depression auf, bei dem der Betroffene nur noch Leere in sich und keine Emotionen mehr empfindet. Auch Patienten mit Burnout-Erkrankungen sind erschöpft, leer und ausgebrannt. Die Unfähigkeit, Gefühle zu empfinden oder zu verarbeiten kann jedoch auch im Rahmen von Persönlichkeitsstörungen oder Schizophrenie auftreten. 

Entstehung von Gefühllosigkeit

Welche Ursachen hat Gefühllosigkeit?

Ursache und Entstehung von Gefühllosigkeit sind bisher noch nicht eindeutig erforscht. Es könnte möglich sein, dass traumatische Erlebnisse zum fehlenden Gefühlsempfinden führen können. Die Unfähigkeit, Gefühle wahrzunehmen, könnte allerdings auch durch emotionale Vernachlässigung in der frühen Kindheit entstanden sein, da Kinder von ihren Eltern lernen, wie sie Gefühle wahrnehmen und ausdrücken können. 

Behandlung von Gefühllosigkeit

Wann ist Gefühllosigkeit gefährlich? 

Häufig kommt es vor, dass man sich leer fühlt und das Interesse an Dingen verloren hat. Das kann ein ganz normaler Zustand sein, der noch keine Sorge bereiten muss. Hält die Gefühllosigkeit aber längere Zeit an oder wird stärker, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Auch wenn Hobbys oder Aktivitäten früher mit großer Begeisterung verfolgt wurden und nun schlagartig egal werden, sollte man sich medizinischen Rat einholen. Ein weiteres Anzeichen kann sein, dass soziale Beziehungen weniger werden und man zunehmend die Lust am Kontakt mit anderen Menschen verliert. 

Wie kann Gefühllosigkeit behandelt werden?

Zunächst muss eine gründliche Diagnostik erfolgen, um somatische Ursachen abzuklären. Geht die Gefühllosigkeit auf eine seelische Erkrankung zurück, ist es essentiell, die Grunderkrankung zu behandeln – in den meisten Fällen die Depression. Das kann mit Hilfe von Psychopharmaka und Psychotherapie erfolgen. Für uns steht jedoch in jedem Stadium der Behandlung eine wirksame Psychotherapie mit additiven Therapieverfahren stets an erster Stelle. Auch die Bindungs- und Gefühlstherapie können helfen, insbesondere wenn der Patient Probleme beim Aufbau von sozialen Beziehungen hat – häufig ist dies bei Menschen der Fall, die unter Alexithymie leiden.