Soziale Isolation / Einsamkeit

Beschreibung von sozialer Isolation und Einsamkeit

Was ist soziale Isolation? Was ist Einsamkeit? Wo liegen Unterschiede? 

Soziale Isolation bedeutet, dass ein Mensch nur wenige bis keine Kontakte in seinem familiären oder gesellschaftlichen Umfeld hat. Jedoch kann soziale Isolation auch freiwillig gewählt sein, wenn sich Menschen bewusst zurückziehen und keine Kontakte zu anderen Menschen pflegen möchten. Deshalb muss zwischen dem objektiven Zustand des Alleinseins (soziale Isolation) und dem subjektiven Gefühl (Einsamkeit) unterscheiden werden: Einsamkeit ist ein Problem der Gesellschaft und eine nicht freiwillig gewählte Form der sozialen Isolation, häufig äußeren Einflüssen wie dem Tod des Partners geschuldet. Jemand ist einsam, wenn er darunter leidet. Er fühlt sich verloren, ausgeschlossen, nicht verstanden und vielleicht auch ungeliebt. Daher sind Einsamkeit und soziale Isolation voneinander zu trennen, denn wer aus eigenem Willen heraus allein lebt, muss sich nicht immer einsam fühlen. Einige Menschen genießen es sogar, für sich allein zu sein. Umgekehrt kann man sich auch in einer Gruppe von Menschen einsam fühlen, wenn man zum Beispiel von seiner Familie nicht richtig einbezogen wird. Gefährdet sind auch Arbeitslose, junge Menschen (zum Beispiel Studenten), Straftäter, Migranten, Menschen mit Behinderung oder Menschen mit chronischen Krankheiten.

Welche Folgen haben soziale Isolation und Einsamkeit?

Nicht selten endet der Rückzug aus dem sozialen Umfeld in einer seelischen Erkrankung. Soziale Isolation kann aber auch die Folge einer psychischen Störung sein, beispielsweise wenn sich ein depressiver Mensch mehr und mehr aus seinem sozialen Netzwerk zurückzieht und für sich allein sein möchte. Des Weiteren können soziale Isolation und Einsamkeit zu einem ungesunden Lebensstil führen, da Betroffene immer für sich allein kochen müssen, nicht gemaßregelt werden können (zum Beispiel in Bezug auf Rauchen oder Alkohol) und keinen Motivator haben, sich zu bewegen. Dieser ungesunde Lebensstil ist dann nicht selten ein Auslöser für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Darüber hinaus können Menschen, die allein leben, nur schlecht beobachtet werden, beispielsweise wenn jemand seine Medikamente regelmäßig einnehmen muss oder zu Arztterminen gehen soll. Auch bei einem medizinischen Notfall kann es dazu kommen, dass man aus eigener Kraft keinen Notruf mehr absetzen kann und keine Hilfe bekommt.

Welche Formen sozialer Isolation und Einsamkeit gibt es?

Man kann unterscheiden, ob Menschen sich für kurze Zeit zurückziehen, beispielsweise wenn es zu Veränderungen im Leben kommt wie Arbeitslosigkeit, Geburt von Kindern oder auch ein Umzug. Darüber hinaus gibt es den schleichenden Rückzug, bei dem Menschen langsam ihre sozialen Kontakte abbauen und immer weniger raus gehen. Die schlimmste Form der Einsamkeit ist der Zustand chronischen Alleinseins, wenn ein Mensch gar über Jahre hinweg keinen Kontakt mehr zur Außenwelt hat und dadurch sogar verlernt hat, in Beziehung mit anderen zu treten. 

Entstehung von sozialer Isolation und Einsamkeit

Wie kommt es zu sozialer Isolation und Einsamkeit?

Soziale Isolation und Einsamkeit können verschiedene Ursachen haben, die sich in innere und äußere Faktoren einteilen lassen. Dabei muss unterschieden werden, ob jemand durch äußere Umstände verschuldet in die soziale Isolation gerät oder sich selbst dazu entscheidet, zurückgezogen leben zu wollen. Beispielsweise können Familienkonflikte ein Auslöser sein, dass man selbst den Kontakt zur Familie abbricht, es kann aber auch sein, dass die Familie eine Person verstößt und somit allein lässt.

Zu den äußeren Faktoren können zählen:

  • Verlust von Angehörigen,
  • Familienkonflikte
  • Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe (zum Beispiel Menschen mit einem niedrigen sozialen Status)
  • wenig zuverlässige Beziehungen
  • Mobbing
  • finanzielle Probleme

Innere Faktoren hingegen können sein:

  • negatives Selbstbild, mangelndes Selbstwertgefühl
  • fehlende sozialen Erfahrungen
  • Kommunikationsdefizite
  • Störung der Impulskontrolle
  • Autismus-Spektrum-Störung
  • Persönlichkeitsstörung (zum Beispiel bei narzisstischen oder schizoiden Persönlichkeitsstörungen)
  • Suchterkrankung
  • Demenz
  • nahezu alle psychiatrischen Erkrankungen, insbesondere Depressionen, Schizophrenien, soziale Phobien oder Zwangsstörungen

Hilfe bei sozialer Isolation und Einsamkeit

Wann sind soziale Isolation und Einsamkeit gefährlich? Wie kann man dem vorbeugen?

Da soziale Isolation nur einen objektiven Status des Alleinseins beschreibt und viele Menschen die Einsamkeit genießen, wird es erst gefährlich, wenn jemand beginnt, unter der Isolation zu leiden – wenn er sich einsam fühlt. Auch Menschen, die sich eventuell unbewusst immer weiter zurückziehen, keine Bindungen pflegen, sich selbst vernachlässigen oder nicht mehr vor die Tür gehen, sollten therapeutische Hilfe suchen bzw. diese aktiv angeboten bekommen. Auch wer plötzlich in eine Situation gerät, in der er allein gelassen wird zum Beispiel, wenn die Bezugsperson stirbt, finanzielle Probleme die aktuelle Wohnsituation nicht mehr ermöglichen oder eine Krankheit den Kontakt zur Außenwelt schwinden lässt), sollte man nach Unterstützung fragen.

Gefährlich wird es auch dann, wenn sich Menschen nicht eingestehen wollen, dass sie einsam sind. Viele Betroffene reden sich ein, allein auch gut zurechtzukommen, wünschen sich aber insgeheim doch den Kontakt zum sozialen Umfeld.

Gehört man zu einer Risikogruppe wie ältere Menschen, Studenten, Straftäter, Arbeitslose oder Menschen mit Behinderung, ist die Aufrechterhaltung einer Tagesstruktur beispielsweise in Form ehrenamtlicher Tätigkeiten oder eines Hobbys wichtig. Darüber hinaus ist eine aktive Beziehungsgestaltung eine wichtige Präventionsmaßnahme. So sollte man beispielsweise auch als Student in der Prüfungsphase freie Zeit einplanen, die man mit Freunden verbringt, um weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. 

Was kann man bei sozialer Isolation tun?

Oft folgt die soziale Isolation erst auf eine psychische Erkrankung, beispielsweise der soziale Rückzug eines depressiven Patienten. Daher besteht in dem Fall die Notwendigkeit der Behandlung der Depression – in erster Linie mit Psychotherapien, sofern es nicht anders möglich ist, auch über die Zugabe von Medikamenten. Liegt der sozialen Isolation zum Beispiel eine Angsterkrankung zugrunde, kann diese über eine kognitive Verhaltenstherapie behandelt werden.

Darüber hinaus gibt es ambulante Hilfsmöglichkeiten, zum Beispiel betreutes Wohnen oder teilstationäre Arbeitstherapien, insbesondere bei psychischen Erkrankungen. Wenn man sich an niemanden wenden kann und Kontakt zur Außenwelt möchte, kann man sich auch bei der Telefonseelsorge Hilfe holen und mit anderen Menschen reden.