Zwangsstörung

Hinweis: Bei allen Symptomen ist eine zeitnahe ärztliche Abklärung unabdingbar, da diesen sehr ernste Erkrankungen zugrunde liegen können. Wir empfehlen deshalb, sich an ihren behandelnden Facharzt oder Hausarzt  oder an die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu wenden.

Definition – was ist eine Zwangsstörung? 

Zwanghafte, sich aufdrängende Handlungen oder Gedanken

Zwangsstörungen sind sich immer wieder aufdrängende und als unangenehm empfundene Gedanken oder Handlungen. Betroffene können dabei diese Gedanken oder stereotypen Handlungen nicht mehr abstellen und nehmen diese selbst als unsinnig wahr. 

Symptome und Formen – wie äußert sich eine Zwangsstörung und welche Arten gibt es?

Unterteilung der Zwangsstörungen in drei Gruppen 

Es gibt viele verschiedene Arten einer Zwangsstörung. Grundsätzlich kann zwischen drei Gruppen unterschieden werden: Zwangsgedanken, Zwangshandlungen sowie die Kombination aus beidem. 

Reinigungszwang - Rückzug aus dem sozialen Umfeld
Bei Reinigungszwängen haben Betroffene panische Angst vor Schmutz, Bakterien, Viren sowie Körperflüssigkeiten. Selbst wenn der Zwangskranke keinen direkten Kontakt zu verunreinigten Gegenständen oder erkrankten anderen Menschen hat, drängen sich ihm panische Gedanken auf, die zu ausgiebigen Waschritualen führen. Um diese aufwendigen Verfahren zu vermeiden, geht der Betroffene einer als bedrohlich empfundenen Situation aus dem Weg und zieht sich damit immer mehr aus dem sozialen Leben zurück.

Kontrollzwang - Die Angst vor Katastrophen
Bei Kontrollzwängen haben Patienten große Angst davor, durch Unachtsamkeit eine Katastrophe auszulösen, beispielsweise ein Feuer durch einen angelassenen Herd. Das Verlassen der eigenen vier Wände wird durch zeitaufwändige Kontrollen unangenehm und problematisch und oft ist es dem Zwangskranken nicht möglich, pünktlich zu Verabredungen oder bei der Arbeit zu erscheinen. Auch dort kann es aus Angst vor Fehlern zu zwangsauslösenden Situationen kommen, beispielsweise zur zwanghaften Kontrolle seiner Arbeit, selbst wenn es Routineaufgaben sind. 

Wiederhol- und Zählzwänge - Eine Last bei alltäglichen Handlungen
Wiederholzwänge äußern sich bei betroffenen Personen dadurch, dass sie ganz alltägliche Handlungen immer eine bestimmte Anzahl lang wiederholen müssen. Wenn die Zwangshandlung nicht ausgeführt werden kann, fühlt sich der Betroffene unwohl und angespannt, da er befürchtet, ihm oder einer ihm nahestehenden Person könnte etwas zustoßen. Durch Zählzwänge entsteht der Druck, bestimmte Dinge wie Autos, Tiere oder Badezimmerfliesen zu zählen. Eine Erklärung dafür haben Patienten nicht – aber auch hier entstehen unangenehme Gedanken, wenn der Zwang nicht erfüllt werden kann.

Ursachen – wie entsteht eine Zwangsstörung? 

Veränderungen der Hirnaktivität als Ursache oder Begleiterscheinung von Zwangsstörungen

Bei einigen Patienten wurden Veränderungen der Aktivierung in der Region des Gehirns gefunden, die unter anderem für die Willkürmotorik zuständig ist (die sogenannten Basalganglien). Möglich ist auch, dass bei einer Zwangsstörung Probleme in der Kommunikation zwischen den Basalganglien und dem Frontalhirn auftreten, was die Steuerung des Verhaltens beeinflussen kann. Zusätzlich gibt es Hinweise dafür, dass bei Patienten der Botenstoff Serotonin zu wenig vorliegt. Es ist nicht belegt, ob die Veränderungen in der Hirnaktivität Ursachen oder Begleiterscheinungen der Zwangsstörung sind. Jedoch gibt es Belege dafür, dass sich die Hirnaktivitäten bei erfolgreicher Behandlung normalisieren.

Einfluss der Genetik auf die Erkrankung

Die Genetik kann bei einem Teil der Menschen auch eine Rolle für die Erkrankung spielen, mehrfach wurde eine familiäre Häufung der Verwandten ersten Grades beobachtet. Der Anteil genetischer Faktoren an der Entstehung von Zwängen kann noch nicht genau eingeschätzt werden, naheliegend ist aber eine Wechselwirkung aus Gen- und Umwelteffekten. So werden Werte und Normen durch Rollenvorbilder geprägt, auch in Bezug auf Zwangsthemen, wie zum Beispiel der Hygienestandard.

Die Rolle von Erziehung und Erfahrungen 

Psychologische Ursachen können die Erziehung oder negative und traumatisierende Erfahrungen in der Kindheit oder im späteren Verlauf des Lebens sein. Eine Störung kann entstehen, wenn ein Kind bereits zu starker Reinlichkeit hin erzogen wird oder wenn es zu wenig Freiraum erfährt. Wenn mit ersten Zwängen ungünstig umgegangen wird oder ein Vermeidungsverhalten auftritt, durch das betroffene Personen nicht erfahren, dass nichts Schlimmes passieren wird, kann auch das zu einer starken Ausbreitung des Zwangs führen. 

Therapie – so kann eine Zwangsstörung behandelt werden

Konfrontation mit Zwängen im Rahmen einer Verhaltenstherapie

In der Regel wird das zwanghafte Verhalten mit einer kognitiven Verhaltenstherapie mit Exposition und Reaktionsverhinderung behandelt. Bei dieser Methode wird der Betroffene unter Anleitung des Therapeuten den Reizen ausgesetzt, die Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen auslösen. Die Zwänge dürfen dann nicht erfüllt werden. Ergänzend zur Verhaltenstherapie können auch Psychopharmaka verordnet werden. Darüber hinaus sind Zwangserkrankungen auch mit psychodynamischen Psychotherapien zugänglich.