Traumafolgestörung

Hinweis: Bei allen Symptomen ist eine zeitnahe ärztliche Abklärung unabdingbar, da diesen sehr ernste Erkrankungen zugrunde liegen können. Wir empfehlen deshalb, sich an ihren behandelnden Facharzt oder Hausarzt  oder an die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu wenden.

Definition – was ist eine Traumafolgestörung?

Psychische Erkrankungen als Folge von Traumatisierung

Eine Traumafolgestörung ist eine psychische Erkrankung, die nach kurzdauernder (akuter) oder chronischer Traumatisierung entsteht. Die Traumatisierung ist dabei eine Folge eines oder mehrerer schwer belastender Ereignisse, denen ein Mensch ausgesetzt war. Zu den Traumafolgeerkrankungen zählen die akute Belastungsreaktion, die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) sowie eine andauernde Persönlichkeitsveränderung. Im weiteren Sinne können auch Depressionen und dissoziative Störungen als Folgen von Traumatisierung angesehen werden. 

Entstehung – wie entsteht eine Traumafolgestörung?

Traumatische Situation überfordert menschlichen Schutzmechanismus und manifestiert sich als Folgestörung

Traumafolgeerkrankungen entstehen in Folge eines erlebten Traumas. Dabei handelt es sich um ein belastendes Ereignis, beispielsweise (sexueller) Missbrauch (als Kind), der Tod eines Menschen, Unfälle, aber auch Gewalterfahrungen, Naturkatastrophen, Folter oder Kriege. Die notwendige Intensität eines Traumas als potenzieller Auslöser ist individuell und hat mit Genetik einerseits sowie mit Gen-Umwelt-Interaktion andererseits zu tun. Sie ruft beim Betroffenen starke Verzweiflung, Erschütterung und Ängste aus. Des Weiteren geraten der seelische Schutzmechanismus und das menschliche Stresssystem an seine Grenzen. Belastende Situationen können nur noch unzureichend verarbeitet werden. Traumata schaden daher nicht nur der Seele, sondern manifestieren sich auch im Körper und verursachen Folgeerkrankungen. 

Symptome der Traumafolgestörung – wie zeigt sich eine Traumafolgestörung?

Betroffene zeigen extreme seelische Belastungen

Von einem Trauma betroffene Menschen – insbesondere jene mit Posttraumatischer Belastungsstörung – leiden unter Ängsten, Konzentrationsstörungen, Nervosität, starken Stimmungsschwankungen oder Schreckhaftigkeit (Hyperarousal). Auch das Wiedererinnern an das belastende Ereignis sowie sein Wiedererleben sind zentrale Merkmale der Erkrankung. Bestimmte Auslöser können dafür sorgen, dass sich Betroffene von dem in der Vergangenheit liegenden Ereignis überrannt fühlen und mit Angst reagieren. Dass sie eine Situation kaum bis gar nicht kontrollieren können, verursacht bei ihnen Gefühle der Hilflosigkeit und Überforderung. Über das Wiedererleben versucht das menschliche Gehirn, die bis dato unzureichend verarbeitete Situation neu zu verarbeiten und abzuspeichern. Darüber hinaus vermeiden viele Menschen mit Traumafolgeerkrankungen auch Situationen, die sogenannte "Trigger" an das Erlebte auslösen könnten und ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück. Dadurch kommt es auch zur Veränderung von Beziehungen, da Kontakte nur schwer aufrechterhalten werden können. Des Weiteren verursachen Folgestörungen von Traumata körperliche Beschwerden, beispielsweise Schlaflosigkeit in Folge von Albträumen oder innerer Unruhe. Auch physische Symptome, für die keine organische Ursache gefunden werden kann, zeigen Betroffene (häufig Erkrankungen der Harnwege, des Herzens oder der Atemwege).  

Formen der Traumafolgestörung – welche Formen der Traumafolgestörung gibt es? 

Unterscheidung nach akuten und chronischen Traumafolgen

Unterscheiden lassen sich die Folgen eines Traumas daran, ob sie akut oder chronisch sind. Akute Traumafolgen sind beispielsweise die Posttraumatische Belastungsstörung, die akute Belastungsreaktion sowie eine dauerhafte Persönlichkeitsveränderung. Chronische Traumata können sich bei Betroffenen unter anderem als Angsterkrankung, Borderline-Störung oder Depression manifestieren.

Akute Belastungsreaktion

Eine akute Belastungsreaktion tritt direkt in Folge eines traumatisierenden Ereignisses ein. Dabei zeigt der Betroffene Symptome wie Umherirren, Orientierungsverlust oder hat teilweise eine Erinnerungslücke.  Auch Herzrasen, Schwitzen, Kopfschmerzen oder innere Unruhe und Gereiztheit können dabei auftreten. Eine akute Belastungsreaktion kann teilweise in eine Posttraumatische Belastungsstörung übergehen. 

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Eine Belastungsstörung ist die Folge eines schwer belastenden, einmaligen oder länger andauernden traumatischen Erlebnisses. Sie entsteht üblicherweise innerhalb von sechs Monaten nach dem Ereignis und umfasst zumeist drei typische Symptome: Hyperarousal als “leichte Erschreckbarkeit”, Flashbacks als unkontrolliertes Wiedererleben des Traumas sowie das Vermeiden von Situationen oder Aktivitäten, die das traumatische Erlebnis wachrufen könnten.

Andauernde Persönlichkeitsveränderung

Eine andauernde Persönlichkeitsveränderung kann die Folge eines Traumas sein und sich wenigstens über zwei Jahre nach dem Trauma hinziehen. Der Betroffene zeigt Veränderungen, weil er sich aufgrund der traumatischen Situation sozial isoliert, Angst vor der Außenwelt hat und kaum Gefühle zulässt. Beziehungen aufrechtzuerhalten oder neue Bindungen zu knüpfen, misslingt häufig. Er stellt gleichzeitig hohe Erwartungen an andere Menschen, seine Persönlichkeitsveränderung infolge des Traumas anzuerkennen. Nicht selten damit verbunden sind außerdem häufiges Kranksein sowie eine labile Stimmung und Hypochondrie.

Therapie – wie kann eine Traumafolgestörung behandelt werden? 

Traumatherapie, psychodynamische Verfahren und Kognitive Verhaltenstherapie zur Verarbeitung des Erlebten 

Bei einer Traumafolgestörung hilft eine Behandlung mittels Psychotherapie, beispielsweise mit der Traumatherapie, psychodynamischen Verfahren oder der Kognitiven Verhaltenstherapie. Dabei stellt sich der Patient mithilfe des Therapeuten der traumatischen Erfahrung. Er soll sie neu erleben und bewerten. So kann er lernen, dass seine Ängste nicht eintreffen und er sie sogar kontrollieren kann. Die Konfrontation gibt ihm das Gefühl von Kontrolle und Sicherheit wieder, damit er sich nicht länger machtlos oder als Opfer, sondern als Überlebender eines Traumas fühlen muss. Auch etwaige Schuldgefühle an der Opfer-Situation, beispielsweise als Opfer von Missbrauch, sollen behoben werden. Ziel ist es, das Erfahrene in die eigenen Erlebnisse zu integrieren, damit es nicht mehr zu Flashbacks und einem Wiedererleben kommen kann. Entscheidend für die Nachhaltigkeit bei Traumaerfahrungen insbesondere in Kindheit und Jugend ist jedoch der Einsatz psychodynamischer Verfahren, um traumatische Erfahrungen innerpsychisch anders und gesünder einordnen zu können.
Traumatherapie, psychodynamische Verfahren und kognitive Verhaltenstherapie können darüber hinaus – kurzfristig – auch mit Medikamenten begleitet werden, beispielsweise mit Antidepressiva oder Antipsychotika.

Hinweis: Für uns steht jedoch in jedem Stadium der Behandlung eine wirksame Psychotherapie mit additiven Therapieverfahren stets an erster Stelle.