Somatoforme Störung

Hinweis: Bei allen Symptomen ist eine zeitnahe ärztliche Abklärung unabdingbar, da diesen sehr ernste Erkrankungen zugrunde liegen können. Wir empfehlen deshalb, sich an ihren behandelnden Facharzt oder Hausarzt  oder an die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu wenden.

Somatoforme Störung

Definition – was sind somatoforme Störungen?

Somatoforme Störungen äußern sich in körperlichen Symptomen und gehen meist auf seelische Erkrankungen zurück 

Unter somatoformen Störungen werden psychische Erkrankungen verstanden, deren gemeinsames Merkmal körperliche Beschwerden ohne diagnostizierbare organische Erklärung sind. Die Betroffenen fixieren sich dabei intensiv auf spezielle körperliche Symptome. Bei diesen Erkrankungen handelt es sich nicht um pseudoneuronale Störungen, sondern um psychisch bedingte funktionale Störungen anderer Sinnesmodalitäten, zum Beispiel Verdauungsbeschwerden. Je nach Art der somatoformen Störung können zum Beispiel physische Schmerzen bei den Betroffenen auch nach medizinischer Behandlung anhalten oder sie interpretieren einzelne Beschwerden als Anzeichen für schwere Krankheiten. Eine somatoforme Störung kann häufig auch in Begleitung mit einer Depression oder Angststörung einhergehen. Meist sind sich die Betroffenen nicht bewusst, dass ihre körperlichen Symptome auf seelische Konflikte zurückgehen oder scheuen sich vor einer psychotherapeutischen Behandlung. 

Ursachen – wie entstehen somatoforme Störungen?

Zahlreiche Ursachen kommen für somatoforme Störungen in Frage – häufig in Kombination

Somatoforme Störungen entspringen analog zu den dissoziativen Störungen dem klassischen Störungsbild der Hysterie. Ihre Ursachen sind dabei multifaktoriell und treten häufig in Kombination auf. Sie können dabei biologisch, sozial, psychisch und psychosozial sein. So können unter anderem eine genetische Veranlagung, Störungen im Hirnstoffwechsel, bestimmte Vorerkrankungen und Störungen der Reizwahrnehmung sowie Reizverarbeitung ursächlich für diese Erkrankung sein. Frauen erkranken dabei doppelt so oft an somatoformen Störungen. Zu weiteren Ursachen zählen beispielsweise traumatische Erfahrungen, eine veränderte Körperwahrnehmung, bestimmte Persönlichkeitsstörungen aber auch ein niedriger sozioökonomischer Status. Häufig geraten die Betroffenen in einen Teufelskreis aus körperlichen Beschwerden, Angst und der Wahrnehmung körperlicher Symptome. Auch biographische oder soziodemografische Faktoren wie ein niedriger sozioökonomischer Status, zerrüttete Familienverhältnisse, aber auch sexueller Missbrauch oder psychisch erkrankte Familienmitglieder können die Entwicklung einer somatoformen Störung begünstigen. 

Untergruppen und Symptome – welche Formen somatoformer Störungen gibt es? Wie äußern sich somatoforme Störungen?

Somatoforme Störungen kennzeichnen sich durch verschiedene Formen

Zu den somatoformen Störungen zählen beispielsweise die somatoforme Schmerzstörung, die hypochondrische Störung sowie die die Somatisierungsstörung. Bei der Somatisierungsstörung leiden Betroffene an mindestens zwei Jahre anhaltenden, häufig wechselnden körperlichen Symptomen. Die somatoforme Schmerzstörung hingegen meint anhaltende quälende Schmerzen, deren Ursprung nicht oder nicht vollständig körperlich erklärbar ist. Die hypochondrische Störung als eine weitere Form beschreibt, dass Betroffene der Überzeugung sind, an einer oder mehreren schweren körperlichen Erkrankungen zu leiden. Der Fokus liegt hier weniger auf den physischen Beeinträchtigungen, sondern vielmehr auf der Beschäftigung mit möglichen schlimmen Krankheiten im Kopf.

Häufige Arztbesuche ohne Ursachenfindung als charakteristisches Merkmal der somatoformen Störungen

Bei allen Störungen fordern die Betroffenen dabei hartnäckig medizinische (Mehrfach-)Untersuchungen ein. Sie wechseln häufig sogar den Arzt, da sie der Auffassung sind, die falsche Diagnose gestellt bekommen zu haben oder nicht ausreichend untersucht worden zu sein. Obwohl sich keine organische Ursache findet, sind sie davon überzeugt, dass die Symptome körperlich bedingt sein müssen. Dadurch entsteht eine extreme psychische Belastung in Form von Leidensdruck, da die Symptome nicht absichtlich erzeugt werden. Die Symptome können dabei Schwindel, Magen-Darm-Beschwerden aber auch Herzbeschwerden oder orthopädische Probleme sein. Stress, emotionale Konflikte, traumatisierende Erfahrungen aber auch Gefühle wie Ärger oder die eigene Unzufriedenheit wirken als begünstigende Faktoren und verschlimmern die Symptomatik. 

Therapie – wie können somatoforme Störungen behandelt werden?

Behandlung: Stufenweiser Therapieaufbau ratsam

Alle Behandlungsverfahren für somatoforme Störungen laufen in der Regel gestuft ab: Zunächst ist es entscheidend, körperliche Ursachen auszuschließen, um eine Behandlung nach psychotherapeutischen Verfahren anzubieten. Grundlage für die Therapie ist eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung. Die Wahl der Therapie und das Ziel der Behandlung richten sich nach der Form der somatoformen Störung, unter der der Betroffene leidet. 

Angewandte Therapien richten sich nach Form der Störung

Bei der hypochondrischen Störung geht es zum Beispiel um die Verminderung der Krankheitsangst. Für alle Betroffenen, die unter erheblichem Leidensdruck stehen, wird eine Verbesserung der Lebensqualität und die Verhinderung der Chronifizierung angestrebt. Ihnen soll ebenfalls ein Bild von körperlicher Gesundheit vermittelt sowie Selbstwirksamkeitsstrategien gefördert werden. Da körperliche Beschwerden häufig eine Folge unbewusster oder gar verdrängter seelischer Konflikte sind, empfehlen sich beispielsweise tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapien oder die Therapien, die mit der Psychoanalyse arbeiten. Auch Entspannungsverfahren können helfen, den Leidensdruck zu mindern und die Betroffenen zur Ruhe kommen zu lassen. Darüber hinaus ist bei Betroffenen mit somatoformen Schmerzstörungen eine medikamentöse Begleitung der Therapie ratsam.