Dissoziative Störungen

Hinweis: Bei allen Symptomen ist eine zeitnahe ärztliche Abklärung unabdingbar, da diesen sehr ernste Erkrankungen zugrunde liegen können. Wir empfehlen deshalb, sich an ihren behandelnden Facharzt oder Hausarzt  oder an die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu wenden.

Dissoziative Störungen

Definition – was sind dissoziative Störungen? 

Dissoziative Störungen umfassen körperliche Erkrankungen als Folge unbewusster seelischer Konflikte 

Bei dissoziativen Störungen handelt es sich um einen Oberbegriff für verschiedene pseudoneurologische Störungen. Das bedeutet, sie wirken wie neurologische Erkrankungen (zum Beispiel Lähmungen, Krampfanfälle, Sensibilitätsstörungen), sind aber psychogener Natur. Dissoziative Störungen sind eine heterogene Erkrankungsgruppe mit Störungen oder Beeinträchtigungen von Motorik, Sensibilität und Sensorik, bei denen eine körperliche Ursache fehlt und oft ein enger zeitlicher Zusammenhang mit traumatisierenden Ereignissen, Belastungssituationen oder psychischen Konflikten besteht. Sie stehen in Zusammenhang mit hoher emotionaler Anspannung oder sich widersprechenden Emotionen. Die Symptome der einzelnen Unterformen können dabei stark variieren – von einem kurzzeitigen Gedächtnisverlust bis hin zu einer Entwicklung multipler Persönlichkeiten.

Ursachen – wie entstehen dissoziative Störungen? 

Ursachen sind meist Abspaltungen von Erfahrungen als Resultat aus traumatischen Erlebnissen 

Die dissoziativen Störungen entstammen ebenfalls wie die somatoformen Störungen dem historischen Krankheitsbild der Hysterie. Ursachen können vor allem traumatische Erfahrungen und belastende Ereignisse sein. Situationen von extremer Belastung, beispielsweise Missbrauch, Naturkatastrophen, Unfälle oder der Tod eines Menschen überfordern die menschliche Seele. Es kommt zur Abspaltung von Erinnerungen oder sogar Teilen der Persönlichkeit, damit der Betroffene nicht mehr an die traumatischen Erlebnisse denken muss. Handeln und Erleben werden dabei voneinander getrennt. Psychodynamisch spricht man auch von Konversion (lat. Umwandlung): Ein psychischer Konflikt wird in körperliche Symptome umgewandelt.

Untergruppen und Symptome – welche Formen dissoziativer Störungen gibt es? Wie äußern sich dissoziative Störungen?

Untergruppen reichen vom Gedächtnisverlust über Umherirren bis hin zur Persönlichkeitsspaltung

Es gibt zahlreiche Untergruppen der dissoziativen Störungen. Dazu zählen beispielsweise die dissoziative Fugue (Umherirren), dissoziative Krampfanfälle, dissoziative Bewegungsstörungen einschließlich Sprachverlust, der dissoziative Stupor (Erstarren), die dissoziative Amnesie (Gedächtnisstörung), Trance und Besessenheit, dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen sowie die Depersonalisation (Selbstentfremdung) und Derealisation (verfremdete Wahrnehmung). Eine Sonderform ist die dissoziative Identitätsstörung, häufig auch unter dem Begriff der multiplen Persönlichkeitsstörung bekannt. Dabei spaltet sich das Ich in verschiedene Anteile mit eigenen Verhaltensmustern und Charaktereigenschaften auf. Der Betroffene entwickelt neue Identitäten, um belastenden Ereignissen aus dem Weg zu gehen. Bei allen Formen der dissoziativen Störung zeigt der Betroffene unterschiedliche Symptome. So kann ein Gedächtnisverlust beispielsweise nur ein bestimmtes Ereignis betreffen, sich aber auch in einer vollständigen Amnesie äußern. Häufig wechseln sich einzelne Symptome auch im Krankheitsverlauf ab oder treten unterschiedlich stark auf. 

Therapie – wie können dissoziative Störungen behandelt werden?

Tiefenpsychologie, Psychoanalyse und Hypnose als geeignete Therapien

Zur Behandlung der dissoziativen Störung eignen sich verschiedene Verfahren der Psychotherapie. Aufgrund der abgespaltenen traumatischen Ereignisse kann mithilfe der tiefenpsychologischen Therapien oder auch der Psychoanalyse der Zugang zum Unbewussten geschaffen werden. Auch Hypnoseverfahren können dabei helfen, verborgene oder verdrängte Erinnerungen wieder ins Bewusstsein zu holen. Die Behandlung erfolgt dabei meist stufenweise und beginnt mit der Stabilisierung des Patienten. Auch eine Aufklärung über seine Krankheit gehört dazu. Dabei muss er lernen, dass er während der Therapie auch traumatische Erfahrungen wieder erleben wird. Hier kann der Therapeut auf die Traumatherapie zurückgreifen. Wie der Patient seine Gefühle besser wahrnehmen und deuten sowie Spannungen und Stress abbauen kann, lernt er im weiteren Verlauf der Behandlung.