Bipolare Störungen

Hinweis: Bei allen Symptomen ist eine zeitnahe ärztliche Abklärung unabdingbar, da diesen sehr ernste Erkrankungen zugrunde liegen können. Wir empfehlen deshalb, sich an ihren behandelnden Facharzt oder Hausarzt  oder an die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu wenden.

Definition – was sind bipolare Störungen?

Wechsel zwischen schwerer Depression und Manie

Bipolare Störungen – früher auch manisch-depressive Erkrankung genannt – sind eine Untergruppe affektiver Störungen und kennzeichnen sich durch mindestens zwei Phasen mit deutlich veränderter Stimmung und verändertem Antrieb oder Aktivität, darunter mindestens eine manische Episode. Menschen mit bipolaren Störungen leiden unter intensiven Schwankungen ihrer Gefühle ohne erkennbare Gründe. Dabei können sie depressive, hypomanische und manische Phasen sowie Mischzustände durchlaufen. Beispielsweise kann der Gefühlszustand in kurzer Zeit von starker Euphorie in eine vollständige Motivationslosigkeit übergehen.

Ursachen – wie entstehen bipolare Störungen?

Genetische Faktoren sind häufig Ursachen bipolarer Störungen

Bei der bipolaren Störung handelt es sich im Wesentlichen um eine biologische Erkrankung mit psychologischer Ausgestaltung, sodass die Genetik eine wichtige Ursache bipolarer Störungen ist. Sind beide Elternteile erkrankt, ist das Risiko für ihre Kinder erhöht. Verschiedene weitere Faktoren können darüber hinaus aber auch die Entstehung bipolarer Störungen begünstigen: Dazu zählen beispielsweise entwicklungsbedingte Faktoren sowie bestimmte Persönlichkeitsmerkmale. Vor depressiven Episoden hingegen liegen meist kritische Lebensereignisse. Auch traumatische Erlebnisse in der frühen Kindheit können zur Ausbildung dieser psychischen Störung führen.

Formen und Symptome – welche Formen bipolarer Störungen gibt es? Wie äußern sich bipolare Störungen?

Bipolare Störungen können im Wechsel oder als Mischform von Depression und Manie auftreten

Es gibt verschiedene Formen der bipolaren Störung, die sich im Wesentlichen durch einen – häufig sehr schnellen – Wechsel oder eine Mischform von manischen und depressiven Phasen kennzeichnen. Zwischen zwei manischen Phasen können auch weniger stark ausgeprägte Manien – sogenannte Hypomanien oder hypomanische Phasen – liegen. Teilweise durchlaufen Betroffene auch mehrere depressive Phasen, bevor es zur Manie kommt. Die Phasen der bipolaren Erkrankung können dabei recht unterschiedlich verlaufen und verschiedene Formen haben, unter anderem:

  • Bipolar I: Wechselnd depressive und manische Episoden
  • Bipolar II: Depressive und hypomanische Episoden
  • Bipolar III: Hypomanische Episoden durch die Behandlung der Depression
  • Bipolar IV: Depressive Episoden bei jahrelang anhaltender Instabilität der Stimmung (Zyklothymie)
  • Bipolar V: Episoden bei familienanamnestisch bekannter bipolarer Störung

Wechsel zwischen depressiven und manischen Symptomen

In manischen Phasen sind die Betroffenen voller Energie und Tatendrang. Sie benötigen wenig Schlaf, sind sehr umtriebig oder kreativ, sexuell hyperaktiv, euphorisch, leichtsinnig und geben viel Geld aus. Dabei können sie auch schnell empfindlich oder gereizt reagieren. In Phasen der Hypomanie kennzeichnen sich die Betroffenen durch Unruhe, gesteigerte Aktivität, Ablenkbarkeit und auch ein vermindertes Bedürfnis nach Schlaf. Depressive Phasen werden begleitet von gedrückter Stimmung, Freudlosigkeit, fehlendem Antrieb. Hinzu kommen Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, negative Zukunftsperspektiven, Schlafstörungen, verminderter Appetit und nicht selten sogar Suizidgedanken.

Einflüsse weiterer psychotischer Erkrankungen auf die bipolare Störung

Mitunter kommt es vor, dass sich einzelne psychotische Symptome unter die Erkrankung mischen. In Phasen der Manie kann der Betroffene auch Verzerrungen der Realität erleben oder unter Halluzinationen sowie Größen- und Verfolgungswahn leiden.

Therapie – wie können bipolare Störungen behandelt werden?

Kombination aus Pharmakotherapie und Psychotherapie

Die Behandlung bipolarer Störungen erfolgt in der Regel mithilfe der Pharmakotherapie. Insbesondere das sehr gut erforschte Antipsychotikum Lithium kann dabei helfen. Begleitet wird die medikamentöse Therapie durch Verfahren der Psychotherapie. Hier gilt besondere Vorsicht: Die depressiven Phasen einer bipolaren Störung werden häufig mit sogenannten unipolaren Depressionen verwechselt, was fatale Folgen haben kann, da die Behandlung von “bipolaren Depressionen” grundlegend anders erfolgt als bei sonstigen Depressionen. Um die bipolare Depression richtig und rechtzeitig zu diagnostizieren, ist eine ausführliche Diagnostik von einem besonders erfahrenen Psychiater und Diagnostiker oder gegebenenfalls an einem spezialisierten Diagnostikzentrum unabdingbar.